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Hamburger Kreative zum Relaunch des »Hamburger Abendblatt«

Hamburger Kreative zum Relaunch des »Hamburger Abendblatt«

27.04.2010 Autor: Sabine Danek

 

Gelungene Erneuerung? Mike John Otto, Rainer Groothuis, Tom Leifer und Wolfgang Greter über das neue Layout des Hamburger Abendblatts, das der Axel-Springer-Verlag inhouse gestaltete.

 

Über die Ambitionen des Relaunches und die begleitende Kampagne von kempertrautmann haben wir auf PAGE Online bereits berichtet. Jetzt haben Experten einen Blick auf das neue Layout geworfen.

 


Mike John Otto, Kreativdirektor, BlackBeltMonkey: Nun ist es also soweit, nach der Online Version des Hamburger Abendblattes, launcht auch der große Bruder - die Tageszeitung.Dieser große Bruder gibt sich erwachsen und weltmännisch. Das ist auch gut so, denn das Hamburger Abendblatt muss zwar zunehmend auch eine jüngere Zielgruppe ansprechen, darf seine Tradition und seine Ursprung aber nicht leugnen. Sicherlich war es auch ein schlauer Weg, bei dem Relaunch die Leser mit einzubeziehen und Feedback und Ideen der Leser zu berücksichtigen.

Mein erster Eindruck zum Design: keine Revolution aber immerhin eine Evolution. Ich persönlich mochte das Erscheinungsbild mit dem Grün nie sonderlich leiden, denn es wirkt leider etwas altbacken. Der neue, weniger satte Grünton beruhigt allerdings das Auge und funktioniert jetzt sparsam eingesetzt viel besser. Die rote Auszeichnungsfarbe beißt sich allerdings ebenso, wie die serifenlosen Sublines zwischen den Headlines und der Copy. Insgesamt finde ich das Erscheinungsbild immer noch nicht ganz »rund«. Aber das ist Geschmackssache.

Was mir gut gefällt, ist das sechsspaltige Raster, das sehr magazinig, modern und klar wirkt. Es bietet viel Platz für die Texte - hier ist Content =  King. Die großen Bilder sind Eyecatcher, aber lenken nicht ab - insgesamt wirkt es sehr aufgeräumt und modern.

Fazit: Das neue Hamburger Abendblatt wirkt reifer, weniger regional und klein. Die begleitende Kampagne bringt es auf den Punkt: Hamburg wird wichtiger, unsere Zeitung auch. Ich würde sagen, die Süddeutsche hat einen Mitstreiter im Norden gefunden.

 

 

Rainer Groothuis, Geschäftsführer von Groothuis, Lohfert, Consorten, Gesellschaft für Formfindung und Sinneswandel: Das Abendblatt erneuert sich, atmet einen erfrischten Zeitgeist – und bleibt sich treu und seinen Lesern Heimat. Gut so.

 

 

Tom Leifer, Designer, tom leifer design: Neue und jüngere Leser hinzugewinnen, Stammleser nicht vertreiben, so lautet häufig das Briefing für den Gestalter von Magazinen und Tageszeitungen. Es ist keine leichte Aufgabe, speziell bei einem so auflagenstarken Medium wie dem Hamburger Abendblatt, den Spagat zwischen Erneuerung und Kontinuität zu meistern. Bei allem gebotenen Respekt: Bei dem mit weit gezogenem Spannungsbogen lange angekündigten Relaunch des Hamburger Abendblattes bleibt das Ergebnis hinter meinen persönlichen Erwartungen zurück. Ich hätte mir stärkere typografische und deutlichere gesamtgestalterische Akzente gewünscht, die der redaktionellen Neuausrichtung Rechnung tragen, potentielle Leser überraschen und neugierig machen. So bleibt der Relaunch fast zu vorsichtig und entspricht nicht ganz den Signalen, die zuvor gegeben wurden.

 

 

Wolfgang Greter, Kreativdirektor, JUNO: Man sieht dem Relaunch an, dass das Abendblatt damit die junge Zielgruppe begeistern will. Ob es dafür allerdings ausreicht, das Design „aufzuhübschen“ und die Rubriken leicht umzubauen, halte ich für fraglich. Natürlich will man nicht die angestammte Leserschaft verprellen. Aber so sieht es für mich nach einem Kompromiss aus. Aus der Online Welt könnte man lernen, daß nur authentische Formate angenommen werden. Ein konsequentes Format ist für mich zum Beispiel »Welt kompakt«. Hier schreiben junge Redakteure für eine junge Zielgruppe. Warum der Axel Springer Verlag, dem beide Zeitungen gehören, sich im Haus Konkurrenz machen will, verstehe ich nicht.

 

 

Da wir an Ihrer Meinung sehr interessiert sind, unsere Kommentar-Funktion jedoch gerade streikt, bitten wir Sie, Relaunch und Artikel unter info@page-online.de zu kommentieren. Wir stellen Ihre Aussagen dann online.

 

 

 


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