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Jawbone UP: Das Self-Monitoring-Armband im Test

Jawbone UP: Das Self-Monitoring-Armband im Test

17.04.2013 Autor: Anna Weilberg

Bild UP Jawbone

 

UP von Jawbone misst – mit Armband und App – wie ich schlafe, wie viel ich mich bewege, dokumentiert was ich esse und wie ich mich fühle. Mit diesem Datenberg soll das System Hinweise für eine gesundere Lebensweise geben. Ich habe es getestet.

 

Vergangene Nacht habe ich 8 Stunden und 12 Minuten geschlafen, davon 2 Stunden und 27 Minuten im Tiefschlaf, ich habe 11 Minuten gebraucht, um einzuschlafen und lag 12 Minuten lang wach. Woher ich das weiß? Seit dem Wochenende nutze ich »UP by Jawbone«, ein kleines Armband, das meinen Schlaf im Detail dokumentiert. Außerdem misst es meine Schritte – heute waren es bislang knapp 8.200 – und wenn ich selbst regelmäßig weitere Daten eingebe, dokumentiert das System auch, was ich esse, trinke und wie ich mich fühle.

»UP by Jawbone«, bestehend aus besagtem Armband und einer App, verspricht, seinem Träger »zu einem besseren Leben« zu verhelfen. Indem die App mittels patentierter MotionX® Technologie meine Bewegungen, Schlaf- und Essgewohnheiten aufzeichnet und auswertet, soll sie mir helfen, »das Bewusstsein für den persönlichen Lebensstil im Alltag zu schärfen«, wie es der Hersteller Jawbone formuliert. »UP« soll auch dafür sorgen, dass ich mich morgens erholter fühle: Mit der »Intelligenter Alarm«-Funktion weckt das System mich genau zu dem Zeitpunkt im Schlafzyklus, zu dem ich mich am meisten erholt fühle. Aus allen gesammelten Daten entwickelt »UP« personalisierte Empfehlungen für mich – je regelmäßiger ich das System benutze, desto intelligenter wird es.

 

 

Bild UP by Jawbone

 

Bild: mein »UP« Armband

 

 

Bild UP by Jawbone

 

Bild: der Home-Feed meiner App



Das ganze System ist mit einer Community verknüpft, in der ich meine Daten mit anderen Mitgliedern teilen kann – sofern ich das möchte. Mitglieder können Teams bilden, die sich gegenseitig motivieren oder aber herausfordern sollen. Ich verzichte auf diese Funktion – wen interessiert es, wie viele Schritte ich heute gemacht habe?

Was die App mir nach vier Tagen in Verwendung anzeigt: Ich schlafe nicht schlecht – mein empfohlenes Schlafpensum von 8 Stunden pro Nacht erreiche ich häufig. Das Gleiche gilt für die empfohlene Bewegung von mindestens 10.000 Schritten pro Tag – wenn ich Sport treibe schaffe ich locker das Doppelte. Was meine Essgewohnheiten betrifft: Anfangs habe ich mich noch bemüht, jedes Getränk und jede Mahlzeit in der App zu dokumentieren – das funktioniert entweder, indem ich die entsprechenden Nahrungsmittel aus einer Datenbank auswähle, indem ich sie manuell eintippe oder indem ich den Barcode des Produkts fotografiere. Ich kann auch einfach ein Foto meiner Mahlzeit aufnehmen – die Applikation erkennt allerdings nicht, um welches Nahrungsmittel es sich auf dem Foto handelt, weshalb ich die Nährwertangaben oder Bezeichnung trotzdem manuell eingeben muss.

Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, wer einerseits die Zeit und andererseits die Lust hat, akribisch jeden Espresso, Müsliriegel oder Apfel zu dokumentieren, den er zu sich nimmt. Vom komplexen Menü, das in seine Einzelteile zerlegt werden muss, ganz abgesehen. Wie lässt sich eine Mahlzeit da noch bewusst genießen, wenn ich ihre Bestandteile gleichzeitig in mein Smartphone tippe? Führt das nicht langfristig zu einer psychischen Zwangsstörung?

 

 

Bild UP by Jawbone

 

Bild: Information zur Bewegung

 

 

Bild UP by Jawbone

 

Bild: Information zum Schlaf



Die Essens-Funktion der App möchte ich also vernachlässigen. Auch deshalb, weil ich mich sowieso bewusst ernähre und – das wage ich zu behaupten – keine Analyse brauche, die mir sagt, dass ich heute zu viel Zucker gegessen habe oder ruhig noch mehr Ballaststoffe zu mir nehmen kann. Die anderen Funktionen von »UP« hingegen kann mein Gedächtnis nicht ebenwertig ersetzen. ... Ich dachte eigentlich, ich hätte letzte Nacht eher schlecht geschlafen – doch laut »UP« habe ich mein Schlafpensum mehr als erfüllt. Na dann. Und zugegeben: Ich habe mich schon gefreut als die App mir angezeigt hat, dass ich heute über 15.000 Schritte gemacht habe.

 

Schwierigkeiten gibt es mit dem »intelligenten Alarm«, der mich sanft aus dem Schlaf wecken soll. In den vergangenen Tagen bin ich immer schon vor dem Wecker aufgewacht und habe mein »UP« dann vom »Schlaf-Modus« zurück in den »Wach-Modus« gestellt (mit einem kurzen Druck aufs Armband blinkt entweder ein Mond oder eine Sonne auf). Zur eingestellten Weckzeit vibrierte das Armband an meinem Handgelenk dann trotzdem, um mich aufzuwecken – obwohl ich schon seit einer halben Stunde wach und aktiv war.


Mein Fazit: Wer einen »digitalen Coach« braucht, wird an »UP« sicher Spaß haben und vielleicht wirklich mehr für seine Gesundheit tun. Wer zu lange still herumsitzt, wird durchs Vibrieren des Armbands daran erinnert, sich zu bewegen – und der Blick auf die Bewegungsskala in der App motiviert tatsächlich. Trotzdem: Für mich persönlich ist »UP« keine echte Bereicherung – lediglich ein weiterer Grund noch mehr Zeit mit meinem Smartphone zu verbringen. Und eigentlich wollte ich gerade diese Zeit verringern, um mein Leben ein Stückchen zu verbessern.

 


»UP« ist ab sofort online unter jawbone.com und ab dem 20. April 2013 in allen Telekom-, Apple- und Gravis- Geschäften zu einem Preis von 129,99 € erhältlich. Die »UP by Jawbone«-App ist ab sofort kostenlos in den iTunes-App-Stores auf Deutsch verfügbar und für Android-fähige Geräte kostenlos in allen gängigen App- Stores, unter anderem Google PlayTM.

 


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