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Möbelkataloge werden flexibel – Einblick ins neue Vitra-Haus

Möbelkataloge werden flexibel – Einblick ins neue Vitra-Haus

24.02.2010 Autor: Hannah Bauhoff



Sind die Zeiten, in denen Möbelproduzenten ihren Kunden zentnerschwere Kataloge in die Hand drücken, bald vorbei? Ein neues digitales Katalogsystem, das bei der Vitra-Haus-Eröffnung präsentiert wurde, weist zumindest in diese Richtung.

Ein neues digitales Katalogsystem, das bei der Vitra-Haus-Eröffnung präsentiert wurde, weist zumindest in diese Richtung. Am Wochenende war es soweit: Design- und Architekturjünger zog es nach Weil am Rhein, wo am Samstag offiziell das so genannte Vitra-Haus auf dem Gelände des Möbelproduzenten Vitra eröffnet wurde. Die Architektur- und Designfans wollten das neue Gebäude der Architekten Herzog & de Meuron sehen und gleichzeitig die neuste Idee der Vitra-GmbH, ein eigenes Ausstellungshaus für die Wohnmöbelkollektion, begutachten. Doch beim Betreten der einzelnen Etagen sahen sie nicht nur Stühle, Tische und Uhren, sondern auch 20 Terminals, die den herkömmlichen Möbelkatalog aus Papier ersetzen.

 



Papiersalat ade
Diese Informationsterminals wurden von iart interactive aus Basel in Zusammenarbeit mit Vitra GmbH konzipiert. Ziel war die Entwicklung eines Katalogsystems, das sich an die Möblierung eines Ausstellungsraumes anpasst und das problemlos Möbelstücke zusätzlich aufnehmen kann – ohne dass nachträglich Flyer oder gar ein neuer Katalog gedruckt werden müssen. Diese Anforderung, kurzfristig Ausstellungsflächen nachzumöblieren, ist Teil des Konzeptes des Vitra-Hauses. Denn Vitra zeigt in den einzelnen Räumen seine Kollektion in Form von so genannten Collagen, die den Besucher anregen sollen, über seine häusliche Einrichtung nachzudenken, diese zu überdenken und entsprechend zu verändern. Daher gleichen die einzelnen Abteilungen eher Moodboards, die Stimmungen, Farbkonzepte und Ideen für das Leben im eigenen Heim anbieten sollen – und die sich immer wieder verändern. Sich und das Angebot ständig neu zu entdecken, lautet das Motto in Weil.



Gesucht, gefunden
Gefällt ein Möbelstück, dann kann sich der Besucher mit Hilfe seiner eigenen kreditkartengroßen RFID-Karte,  dem „Vitra-Haus-Key“, die ihm am Eingang am Empfangstresen ausgehändigt wird, anmelden. Durch Eingabe der persönlichen Landeszugehörigkeit und nach Einstellen der Sprache wird der Key personalisiert – und sofort zeigen sich die in dem Raum befindlichen Ausstellungsstücke auf der Startoberfläche. Werden weitere Informationen über ein bestimmtes Möbel gesucht, wie beispielsweise Farbvarianten, Größe oder verwendete Materialien, kann der Kunde durch Berühren des Touchscreens auf der zweiten Interaktionsebene diese Informationen, neben Angaben zum Preis und dem Designer, finden. Danach gibt es zwei Möglichkeiten: Das Objekt der Begierde kann sowohl auf der persönlichen Wunschliste gespeichert als auch per E-Mail an einen Empfänger der Kundenwahl  – vielleicht mit dem Satz „Schatz, ich habe doch bald Geburtstag“ versendet werden.

Und so funktioniert´s:

 


Interaktiv durch die Produktpalette – und direkt ins Marketing

Sandra Hofer hat bei iart interactive das Projekt betreut, das insgesamt gut ein Jahr dauerte – und mit der Eröffnung noch nicht abgeschlossen ist. Jetzt gilt es, die Benutzung zu kontrollieren, Rückschlüsse über Userverhalten zu ziehen und notfalls zu optimieren. Zu zweit wurde bei iart interactive bestehende Hardware adaptiert, bis zu sechs Personen haben die Software entwickelt. Keine leichte Aufgabe, greifen doch die Terminals auf den Vitra-Gesamtkatalog und damit auch direkt auf die Vitra-IT und Produktdatenbank zu. Die Terminals selbst hat Vitra gestaltet und produziert. Ein ziemlicher Aufwand für ein paar Informationen, doch ebenso wie Vitra glaubt auch Sandra Hofer: „Die Zukunft im Retailbereich liegt in der Interaktion. Nur so kann auf die zunehmende Individualisierung der Kunden  und seine Wünsche angemessen und schnell reagiert werden.“ Für Vitra hat das einen weiteren Vorteil: Die Daten des Kunden sind gespeichert; statt wie bislang nur Bestseller zu kennen, werden nun Information über die „most-wanted“ gewonnen.



Verewigt
Dass der Stuhl heiß begehrt ist, ist kein Geheimnis. Und wahrscheinlich deshalb können sich Besucher – ähnlich wie die Prominenz, deren Fotos die Wand daneben zieren, selbst fotografieren  – und so in der „Photo Corner“ ihren persönlichen Vorbildern nachahmen. Denn wer sich in die Sitzskulptur „ La Chaise“ der Gestalterlegenden Ray und Charles Eames setzt, kann – nach Anmeldung am Termianal per Vitra-Haus-Key – per Selbstauslöser ein Schwarzweißbild von sich machen und es an sich oder an Freunde per E-Mail senden. Mit dieser Interaktion knüpft Vitra ürbrigens geschickt an eine Anzeigenkampagne von 1987 bis 1997. Damals hat der Schweizer Fotograf Christian Coigny Schauspieler, Künstler, Designer und Architekten im Eames-Sessel und auf anderen Stühlen von Vitra in schwarz-weiß fotografiert.






 

 

 

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Das zentrale Element: Der Empfangstresen
Der Kunde kann bei Verlassen des Vitrahauses seinen „Vitra-Haus-Key“ übrigens als Souvenir behalten. Nur  zu Hause ansehen, was er dort abgespeichert hat, kann er nicht. Denn die Karte kann nicht in den heimischen Computer eingeführt werden. Er muss sich entweder am Empfangsdesk seine persönliche Liste ausdrucken oder sich dort selbst eine E-Mail schicken lassen, in der alle seine Daten gespeichert sind. Überhaupt ist der lange Tresen im Eingangsereich Dreh- und Angelpunkt des Hauses.

Zu iart interactive
Seit 2001 arbeiten iart interactive im Spannungsfeld von Medien, Kunst und Technologie mit den Schwerpunkten Licht, Projektion und Interaktion. Aktuell arbeitet dort ein Team aus
Ingenieuren, Architekten, Szenografen, Interaktions- und Industriedesignern, Kultur-, Kunst- und Medienwissenschaftlern zusammen und übernehmen je nach Projekt die technische, inhaltliche, gestalterische und koordinatorische Verantwortung.

 



Fotos und Videos: iart interactive

Mehr Informationen zur Architektur bei designlines.de

 


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Das neue Ausstellungshaus ist seit 16 Jahren der erste Neubau auf dem Campus der Vitra-AG, die sich neben der Reedition von Designklassikern und Möbeln mit namhafter zeitgenössischen Gestaltern auch einen Namen mit seiner Architektur auf dem Firmengelände in Weil gemacht hat. Dort stehen Gebäude von renommierter Architekten und Pritzkerpreisträger wie Nicolas Grimshaw, Zaha Hadid, Tandao Ando, Alvaro Siza, Buckmister Fuller, Jean Pouvé  und Frank Gehry, in dem sich das populäre Vitra-Design-Museum befindet. Dem Vorwurf, er betreibe einen „Architekturzoo“ entkräftete Rolf Fehlbaum, Chairman des 1950 gegründeten Familienunternehmens, sofort. Vielmehr ist der Neubau Teil der Brandingstrategie der Firma, die sich seit einem Großbrand auf dem Firmengelände 1981, Platz für Aufsehen erregende Architektur  hat – und sich damit einen Namen und zur Pilgerstätte für Architekturfans gemacht hat.

Alle Fotos: Vitra (www.vitra.com), Fotograf: Iwan Baan


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