News
18.09.2014
POSITIONS BERLIN
Erstmals im Rahmen der Berlin Art Week 2014 findet vom 18–21. September die POSITIONS BERLIN statt.
18.09.2014
Kreative Chancengleichheit
Die Lazi Akademie Esslingen vergibt ab sofort Stipendien an besonders begabte Kreativtalente.
17.09.2014
Annual of European Cultural Brands 2015
Der europäische Wegweiser für unternehmerische Kulturförderung erscheint als Printausgabe und als kostenfreie Online-Version:
17.09.2014
B3 Autumn School in Frankfurt/Main
Vom 29. September bis 4. Oktober 2014 kann man die neuesten Entwicklungen und Trends des bewegten Bildes praktisch erleben:
17.09.2014
Innovation Lab – Creating New Formats for Future TV
Wie sehen die TV-Formate der Zukunft aus? Der Workshop von Eyes & Ears of Europe findet am 9. & 10. Oktober 2014 bei PULS 4 in Wien statt:
17.09.2014
Illustratoren und Fotografen aufgepasst!
Nur noch bis 20. September können Illustratoren und Fotografen bei den großen neuen (und kostenlosen) GoSee Awards mitmachen.
16.09.2014
Redesign der Financial Times
Erstes Redesign der Print-Ausgabe seit 2007: Die Financial Times erschien am Montag im neuen Design mit modernerer Schrift.
16.09.2014
1. Bornheimer Designpreis 2014
Mode-, Schmuck- , Industrie-, Grafik-Designer oder Designstudenten sind eingeladen ihre neuesten Designkreationen vorzustellen:
16.09.2014
DUBL TRUBL im Urbanspree
Am Donnerstag gibt's im URBAN SPREE die Gruppenausstellung DUBL TRUBL – 90 Künstler haben 45 Kunstwerke geschaffen:
15.09.2014
Wettbewerb: Neues Symbol für »Speichern unter« gesucht
Die gute alte Floppy Disk hat ausgedient – wie könnte ein zeitgemäßes Symbol aussehen? Deadline: 30. September 2014
Kalender

17.09.14 / Erkrath

Art Director (m/w)

Schlasse GmbH

17.09.14 / Stuttgart

Senior Account Manager / Editorial (w/m)

Strichpunkt GmbH

16.09.14 / Hamburg

Flash Designer (m/w)

UDG United Digital Group GmbH

16.09.14 / Esslingen

Manager Interaction Design (f/m)

TEAMS DESIGN

16.09.14 / Stuttgart

Senior Art Director / Branding (w/m)

Strichpunkt GmbH

 
Kalender
News
Harald Geisler zu
Apple Video – alles nur geklaut?

Stimme Julia zu. Credit where credit is due: Étienne de Crécy - Le Patron Est Devenu Fou Super Discount 1996 ...
17.09.2014
mehr
Lola zu
Gewinnspiel – PAGE verlost 3 Spiekermann-Bücher

In meinen Studiums (im Modul Typografie), habe ich mich eine zeitlang mit Erik Spiekermann befasst, als es darum ...
15.09.2014
mehr
Julia zu
Apple Video – alles nur geklaut?

Da könnte man ja gleich behaupten, OK Go hätten von Felice Varini oder Axel Peemöller geklaut, denn neu ist der ...
15.09.2014
mehr
Kate zu
Gewinnspiel – PAGE verlost 3 Spiekermann-Bücher

Typo tYpo tyPo typO
15.09.2014
mehr
Alex zu
Apple Video – alles nur geklaut?

Das Intro von Apple bzw. TBWA ist dennoch emotionaler.
15.09.2014
mehr


Line

Visueller Aderlass

Visueller Aderlass

06.02.2013 Autor: Jürgen Siebert

 

Immer zum Erscheinen der aktuellen Printausgabe der PAGE: »Die Fundstücke« von Jürgen Siebert. Freuen Sie sich über kühne Kommentare zu Trends, Entwicklungen, Ereignissen und dem ganz normalen Alltagswahnsinn eines Kreativen ... Heute: Eine Musikdatei ist so nichtssagend und unsexy wie eine Bierflasche ohne Etikett.

 

Jüngst verlief ich mich in die Vinyl-Kammer des Berliner Medien-Shopping-Tempels Dussmann. Und da stand ich – zu meiner Überraschung – wieder vor jenen 30-mal-30-Zentimeter-Alben, die ich vor 45 Jahren immer nach der Schule durchblätterte, aber mir nicht leisten konnte: »Blond On Blonde« (Bob Dylan), »Sgt. Pepper’s« (Beatles), The Velvet Underground & Nico, Fleetwood Mac. Auch ganz neue Alben entdeckte ich, zum ersten Mal in dieser Größe, von Till Brönner über Alicia Keys bis zu Adele. Gedankenversunken klappte ich einige Gatefold-Cover auf, vertiefte mich in Songtexte und biografische Notizen, erkundete die Innenhüllen.
In diesem Moment wurde mir der visuelle Aderlass bewusst, den die Musik-CD mit ihrer Flächenreduzierung auf 12 mal 12 Zentimeter verursacht hat, ganz zu schweigen von den gesichtslosen MP3-Stores, aus denen wir heutzutage unsere Musik herunterladen. Jahrelang ließen wir unsere Sehnsucht mit Notlösungen abspeisen. In den 1980er Jahren lieferten Musikvideos die Bilder, die auf CD-Jewelcases keinen Platz mehr hatten. Später gaben CD-Booklets ihr Bestes, um die LP-Hülle vergessen zu machen. Heute, im MP3-Zeitalter, werden wir mit einer 600 mal 600 Pixel großen Albumcover-Reproduktion abgefertigt.

 

Klar: Eine Musikdatei ist so nichtssagend und unsexy wie eine Bierflasche ohne Etikett. Nicht umsonst hat sich seit den 1950er Jahren das Plattencover zur Visitenkarte und zum Kleidungsstück für eine Tonaufnahme ent­wickelt. Im Laden präsentierte die Hül-­le essenzielle Produktinformatio­nen, zu Hause verstärkte sie die emotionale Bindung zur neu erworbenen Musik und ihren Interpreten. Wenn beides wegfällt und irgendwann das Gros der Musik digital vertrieben wird, bekommt das Musikmarketing ein Problem.

Musik ist heute ein Datenbankobjekt. Wenn ich einen neuen Song im Radio höre, der mir gefällt, dann:
• lasse ich ihn von Shazam identifizieren, um anschließend
• die Datei zu erwerben und in meine Musiksammlung zu laden.
• Ich versehe sie mit einem 1200-mal-1200-Pixel-Cover,
• suche im Netz den Text, kopiere ihn in die Datei und
• recherchiere ein paar Hintergrundinformationen zu Interpret und Song.

Genau diese Arbeit haben früher Plattenfirma und -hülle erledigt. Nur: Wer halst sich diese penible Metadatenpfle­ge überhaupt auf? Spinner wie ich, deren Popmusik-Sozialisation noch in die 1970er Jahre zurückreicht. Jugendliche von heute begnügen sich mit Strea­ming­angeboten wie Last.fm, Napster oder Simfy: das Internet als Radio. Doch lässt sich über diese Kanäle ein langlebiges Verhältnis zwischen Fans und Künstler aufbauen? Ich vermute eher nein, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überraschen.

 

Übrigens droht der Buchbranche die gleiche Schererei. Schön gestaltete Schutzumschläge sind mittlerweile ein Auslaufmodell. In den USA werden schon mehr digitale als gedruckte Bücher verkauft. Als logische Konsequenz schließen die letzten betretbaren Buchläden gerade ihre Pforten, womit der Warenkontakt am Point of Sale Geschichte wird. Wofür braucht man dann noch eine aufwendige Titelgestaltung? Sicherlich nicht für briefmarkengroße Vorschaubilder auf Amazon. Selbst E-Book-Reader haben für die Kunst der Buchgestaltung nichts übrig: Titelbilder verpuffen beim Öffnen zu einer 2-Sekunden-Zoomanimation.

 

Designferne Menschen könnten nun entgegnen: Was soll der ganze Verpackungszauber? Schließlich geht es um Töne und geschriebene Worte. Lasst uns uns auf die Inhalte konzentrie-ren. Tatsächlich geht es mir nicht um schmückendes Beiwerk, sondern um Kommunikation, die nebenbei auch noch verkauft. Darüber hinaus ist unsere Medienwelt heute in Sachen Bilddarstellung derart hochgerüstet, mit HD-Fernsehern und Retina-Bildschirmen, dass ich mir eine visuelle Verarmung gar nicht vorstellen kann und möchte. Ich denke, jetzt sind die Desig­ner gefragt, um mit den Medienkonzernen neue Verpackungskonzepte für Musik und Bücher zu ersinnen. So gesehen glaube ich an die Wiedergeburt von Plattencover und Buchumschlag, weiß aber noch nicht, wie sie sich materialisieren werden.


Verwandte Artikel

Line
Line
Kommentare
Kommentare: 0


Line
Cannes Lions 2014

Blick ins Studio

Awards: Gewinner

Werkschauen 2014

Services