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Accord Alternate

Accord Alternate

29.06.2010 Autor: Klaus-Peter Staudinger

Der indische Designer Aakash Soneri hat eine gut ausgebaute Schrift mit Hybridantrieb entwickelt.


Endlich mal wieder eine Schrift in der Tradition meines All Time Favourite Metrolis. Die britische Schriftenschmiede The Foundry hatte sie damals in Zusammenarbeit mit Michael Barbosa, Artdirektor bei von Wolff Olins, für die Metro der portugiesischen Hauptstadt entworfen. Nach meinem Eindruck eine der ersten überzeugenden Schriften, die bei humanistischem Gestus auf An- und Abstriche verzichtete – ohne dass optische Lücken entstanden! Die Kunst ist nämlich, solche Schriften so zu generieren, dass nichts zu fehlen scheint. Konstruierende Vorarbeiten gehen bis auf das Wirken von Herbert Bayer Mitte der 1930er Jahre am Bauhaus zurück. Inzwischen gibt es ja viele Bastarde in ähnlicher Ästhetik – aber nur wenige reichen an die Eleganz und Schönheit der Mittneunziger-Kreation von Freda Sacks und David Quay heran. Da zahlreiche Logos derzeit diesem Trend huldigen, wundert es nicht, dass sich immer mal wieder ein Designer an einem ganzen Font versucht.



Quelle: Metro Lissabon

Quelle: Bauhaus Archiv

Trotz der Namensgleichheit wird diese Schrift wohl kaum für eine bekannte japanische Automarke entworfen worden sein. Dennoch: Der indische Designer Aakash Soneri, der schon mit seiner Sone einen ähnlichen, aber deutlich Logo-affineren Ansatz verfolgte, hat sich ins Zeug gelegt und mit der Accord Alternate einen Font mit Hybridantrieb geschaffen. Einerseits sind die Glyphen industriell angelegt. Also eine gute Portion Kraft durch Normschrift. Andererseits gibt es aber eben dieses modische Merkmal, das sie gleichzeitig sehr stylish erscheinen lässt. Zudem ist sie gut ausgebaut, was sie nicht nur logo-, sondern auch texttauglich macht. Wer es noch umfangreicher mag, kann dann auf die ebenfalls sieben Schnitte der Mutterschrift Accord zurückgreifen.





Neben a, b, p, u haben auch m, n und r die vereinfachte Form mit eliminierten An- und Abstrichen – und auch t und f fehlt folgerichtig die linke Seite der Waagerechten. Das Q hat diese schöne Wasserwelle, die schon die Fonts von Luc(as) de Groots Thesis-Sippe veredelte. Die Kontraste sind minimiert, höchste Eleganz und Schnelligkeit wird in der Light-Variante erreicht. Alle Unterlängen sind lang und offen, was die Schrift durchaus geländetauglich macht. Ein bisschen fleckt das kleine p, Ligaturenbildung in kleinen Graden wirken zum Beispiel bei Kombinationen wie „Alt“ nicht gut ausgeglichen.





Wie die Mutterschrift also eindeutig ein Fall für urbanes Corporate Design oder Branding. Der 34-jährige Designer aus der Millionenstadt Ahmedabad in der Provinz Gujarat hat zweifelsfrei ein gutes Händchen bewiesen. Die Accord Alternate überzeugt im Gesamteindruck ebenso wie in den Details – auch wenn die Idee nicht wirklich neu ist. Dennoch wird die Schrift die Lücke gut schließen zwischen den zu süßlichen FF Dax oder Barmeno, der schmalen Kaffeesatz – die einen Schuss Condensed-Milch zu viel abbekommen hat und von Yanone inzwischen überarbeitet als rundlichere FF Kava erschienen ist – sowie der im Einzelfall zu exaltierten Phoenica von Ingo Preuss. Erhältlich ist Aakash Soneris Accord Alternate bei MyFonts.


Das Bild von sich hat uns Aakash Soneri aus seinen Flitterwochen im Himalaya geschickt


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